Ich liebe mohnrot

Vor vielen Jahren begegnete mir ein Buchtitel, der mich sehr nachdenklich machte, mich aber voll überzeugte:

„Wenn ich einst alt bin, trage ich mohnrot“!

Als ich ein kleines Kind war, ging ich regelmässig mit Mutter und Tante zum Pragfriedhof. Ich beobachtete fast nur alte Menschen, die an den Gräbern beteten oder sonst unterwegs waren.

Warum die alle nur in grau und schwarz mit Trauermiene

Nebenbei, für mich war es auch nicht lustig, da mich Mutter und Tante zu den
Erdhohen offenen Fenstern vom Krematorium führten und mir den Ofen zeigten,
in dem ich verbrannt werden sollte.

Das hat mich viele Jahre gegen eine Feuer- Bestattung programmiert. Hui, schrecklich, tut weh!

Zuhause lehnte ich mich sonntagmorgens auf einem Kissen aus dem Fenster und sah wieder, wie die Menschen dunkel und möglichst unauffällig zur Kirche pilgerten. Damals glaubte ich an einen beobachtenden Gott und fragte mich erneut, ob ihm das wohl so gefallen möge. Und mein Gefühl sagte nein.

Ich dachte damals, er möchte doch Freude an allem Schönen und Lebendigen haben. ( Das gilt übrigens auch für die Sexualität im Alter!)

Und da ich es endlich für mich kapiert habe, liebe ich das Mohnrot!

Auch das Gelb, auch das Grün und das Weiss. So fühle ich mich in Farben lebendig und kombiniere sie mit gutem Geschmack kreuz und quer. Immer mit kleinem Ärmel und knielang.

Das muss sein. Da ich mein Leben auch geschäftlich in Verbindung zur Mode stand, fiel es mir natürlich nicht schwer mit Farben und Formen zu kombinieren.

Apropos: ich habe 1944 Abitur gemacht mit viel Krieg und Ungemach. Nach Kriegsende wollte ich Jura studieren. Durfte es aber aus politischen Gründen nicht. Das ist eine
Extra story.

So landete ich im elterlichen Modegeschäft. Das war für mich Krämerei, was meinen Plänen absolut nicht entsprach. Da ich aber keine andere Wahl hatte, brachte ich das Geschäft mit Haute Couture in einer Zeit zu Blüte, als die Kleiderschränke leer waren.

Das nur nebenbei! Mein Credo lautet: bewahrt Euch im Alter die Lebendigkeit im Geist, im Körper, in der Bewegung und vor allem: lasst durch Euer Inneres und Äusseres die Seele strahlen!

Das war genug für heute!