Waldruh

Gestern war ein wunderbarer Herbstag, und die Sonne lachte vom blauen Himmel.

Eine Freundin kam mit dem Auto und wollte mir eine Freude machen, indem sie mit mir den herbstlichen bunten Wald geniessen wollte. Da hatte ich einen be sonderen Vorschlag: Lass uns doch in meinen Wald fahren, dorthin woich meine letzt Ruhe finden werde.

Sie war sofort interessiert, und wir fuhren zur Waldruh St. Katharinen.

Es ist dort ein besonders schönes Waldstück am Hang zum See, Blick Richtung Überlingen. Baum Nr. 338 Abteilung J. Eine alte, in den Himmel ragende, riesige Buche war meine Wahl. Und beim  Anblick dieses Baumes war ich wieder begeistert. Ja, da will mein Leib zerfallen und mein Geist über die Baumwipfel emporsteigen! Die Strahlen der Sonne ragten zwischen den Zweigen durch, zum Teil noch mit bunten Blättern, die langsam zum Boden fielen. Es hatte am Tag zuvor viel geregnet, und so machte der modrige Geruch von nassem Laub auf der Erde nicht nur bewundernd glücklich, sondern auch ein bisschen melancholisch.

Den Baum habe ich, mit einer anderen Freundin zusammen, vor zwei Jahren ausgesucht. Es gab am Sonntagmorgen vom Waldhüter eine Führung, an der 8 Menschen teilnahmen – alle jünger als ich. Der Waldhüter war so um die 70, gross, gutaussehend. Er ging mit uns mit elastischen Schritten quer durch den Wald und zeigte uns freie Plätze in verschiedenen Regionen. Ich, wie immer schnell entschlossen, zeigte ihm meine Bereitschaft zur Wahl und Unterschrift. Die anderen gingen, und er brachte mich zu seinem schönsten Baum mit Aussicht.

Ich unterschrieb den Vertrag und er verabschiedete sich von mir mit den etwas makabren Worten: „aber gell, wir sehen uns vorher doch nochmal“!

Das war die Geschichte von meinem Baum, der mich jetzt und nachher begleitet. Der Ablauf meiner Verabschiedung von dieser Welt ist weitgehend festgelegt.

Also – ich bin bereit zu gehen. Angstfrei.