Südafrika

Es war eine Zeit, da half ich einer Freundin in ihrem Antiquitätsladen aus. Es gab wunderbare Einzelstücke: Vasen, Silberteile, Nippes, alte Uhren etc, und vor allem kostbaren antiquen Schmuck.

Eines Tages trat ein englisch sprechendes Paar in unseren Laden. Ich dachte, es sei Mutter und Sohn. Dem war nicht so. Sie waren ein Ehepaar, und sie sammelte Schmuck und erstand eine alte Halskette. Die Dame wollte noch Kleider kaufen und bat mich, mitzugehen, um zu übersetzen. So fings an.

Sie ludem mich nach Südafrika ein, was ich nicht ernst nahm. Immer mal wieder forderten sie mich auf zu kommen. Schliesslich entschloss ich mich zu der Reise, hatte ja eine Kreditkarte und konnte ins Hotel ausweichen. Frankfurt Flughafen am Gate: Warten Sie bitte, bis alle Fluggäste eingestiegen sind.

??? Stimmt was mit meinem Ticket nicht? Ich hatte Holzklasse gebucht: Zürich – Johannesburg über Dubai. Als alle eingestiegen waren und ich nervös, hiess es: Erster Klasse ist alles leer. Wir möchten Sie dort haben! Das war Luxus!

Dubai: Aufenthalt, nach einer Stunde weiter. Ankunft in Johannesburg. Am Gepäckband. Nicht ein einziges Gepäckstück auf dem Band. Warten. Nichts angekommen.

Ich insistiere mit Fragen und muss schliesslich hören: Der Scheich (selbst Besitzer der Emirates Fluglinie) fliegt mit 40 Frauen nach „Sun City“ (afrikanisches Las Vegas). Das Gepäck ist in unserer Maschine. Unseres ist in Dubai. War ich sauer und rannte zum Flugschalter. „Regen Sie sich nicht so auf. Kaufen Sie alles, was Sie brauchen und schicken Sie die Rechnung nach Frankfurt zu Emirates. Wann Ihr Gepäck per LKW Sie erreicht, kann dauern. So geschah es. Und ich ging einkaufen mit meinen Abholern.

Wir fuhren in eine offensichtliche vornehme Gegend. Ein grosses Eisentor ging auf. Wir stiegen vor einem englisch anmutenden Herrenhaus aus, und ich war schon angenehm überrascht. Nix mehr mit Hotel. Ein reizendes schwarzes Hausmädchen in weisser Schürze und Häubchen führte mich zu einem Gästetrakt. Da blieb ich wochenlang wohnen.

Was meinen Gastgebern gar nicht schmeckte, war, dass ich als Erstes Soweto sehen wollte. Schwarzes Ghetto von Joburg. Allein im Taxi mit schwarzem Fahrer dorthin. Er war nett und aufgeschlossen, fuhr quer durch das riesige Gebiet, was einst der Brandherd von Südafrika war. Schulen, Märkte mit abgehackten Kuhschädeln und Füssen und vieles mehr.

Die Tage gingen vorüber. Hauptproblem die Kriminalität. Einbrüche waren das Mindeste. Alltag. Raub, Mord, Autounfälle mit alten VW Bussen, in denen bis zu 10 Schwarze am Wochende heimfuhren. Ich hätte in der Stadt als Frau unmöglich ein Auto fahren können. Türen von innen immer geschlossen halten u.s.w. Schlimm!

Eines Tages entschlossen wir uns zu Dritt zu einer Safari in Botswana. Das war ein Höhepunkt in meinem Leben! Ein Safarijeep für uns allein. Vor der Windschutzscheibe ein Gewehr. Vorn und hinten natürlich schwarzer Guide. Morgens 4 Uhr in die aufgehende Sonne. Alle Tiere aus dem Zoo in freier Wildbahn. Unglaublich! Ein Traum wird wahr. Einfach alle. Ich hatte keine Angst bis: wir starrten in ein Wasserloch, wo eine Elefantenherde am Trinken war. Die Leitkuh war von hinten bis auf etwa 5 Meter an uns unbemerkt  rangekommen. Scharrte mit den riesigen Füssen im Sand, schwang den Rüssel hoch und trompete voll Wut. Da wurde es mir schon mulmig…

Geschlafen haben wir in verschiedenen Lodges. Abendessen in der Nacht im Freien, umgeben von hölzernen Pallisaden, grosses Feuer in der Mitte und im Hintergrund das Heulen der Hyänen und anderen Tieren.

Einige Tage schliefen wir in Zelten in der Wildnis. Komfortabel eingerichtet. 10 cm dicker Reissverschluss als Schutz vor neugierigen Elefanten etc. Auf der anderen Seite ein Pallisadengang zu Dusche und WC. Den Affen gefiel das WC sehr. Sie hatten die Bäume im Umkreis mit Klopapier geschmückt. Girlanden ringsrum. Nachts fuhren wir kreuz und quer ohne Wege durch den Busch um Leoparden zu erspähen. Wir fanden einen, der uns erstaunt betrachtete. Ich hing mit den Haaren immer wieder in den Büschen. Tat weh. Aber bei dem Adrenalin!

Die Jahre danach war ich immer wieder bei meinen Freunden in Südafrika. Der Hausherr bekam eine dreiwöchige Aufgabe am Kap. Er nahm mich mit. Also auf nach Kapstadt.
Er musste für die Regierung im Kapgebiet Schulutensilien verkaufen und liefern. Ich sollte zur Hand gehen mit Buchhaltung, Rechnungen schreiben etc.

Machte viel Spass.

Und ich kam in Gegenden, na ja, Meute von schwarzen Männern, denen jedes Auto mit Weissen suspekt war. Er: immer nur gradeaus gucken. Wenn auch nur einer sich provoziert fühlt, sind wir verloren.

Standort Worchester im Weingebiet. Weingärten, eben, üppig, so weit das Auge reicht. Grossbesitzer. Wunderschöne Gutshäuser, wie kleine Schlösser, in prächtigen Gärten. Nach Kapstadt musste man über einen Pass mit schöner Aussicht. Dort parkten nicht nur die Touristen, sondern auch riesige Paviane mit Raubtiergebissen. Schilder mit Vorsicht. Nix da. Sind doch süss. Wenn eine Autotür aufging, wurde es äusserst gefährlich. Sie wollten Futter, was auch immer. Und wenn es alle war, konnten sie sehr böse werden.

Natürlich musste ich auch zur Spitze des Kaps, wo sich die Ozeane treffen. Ich hatte eine offene Windjacke an. Der Sturm blies heftig wenn mich mein Nebenmann nicht festgehalten hätte, wäre ich über die Mauerkante ins Meer gesegelt.

Es gäbe von Südafrika noch so viele Erlebnisse zu erzählen. Lassen wirs dabei.

Es wird weihnachtlich. Das ist ein Thema!